Offene Büros sollten Zusammenarbeit fördern. In der Praxis fördern sie vor allem eines: Lärm. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz zeigt, dass der durchschnittliche Schallpegel in Großraumbüros bei 65 bis 75 dB liegt. Das entspricht einer vielbefahrenen Stadtstraße.
Die Folgen sind messbar. Mitarbeitende in lauten Büros machen 67 % mehr Fehler bei konzentrierten Aufgaben. Die Fehlzeiten steigen um bis zu 15 %. Und die Fluktuation? Doppelt so hoch wie in akustisch optimierten Räumen.
Doch das Open Office ist nicht das Problem. Das Problem ist die fehlende akustische Planung. Hier sind 7 Maßnahmen, die den Unterschied machen. Von einfachen Büroakustik-Tipps bis hin zur schallisolierten Telefonbox für maximale Ruhe.
1. Nachhallzeit messen und als Grundlage nehmen
Bevor Sie Geld ausgeben: Messen Sie die Nachhallzeit. In einem typischen Büro mit Betondecke und Glaswänden liegt sie bei 1,2 bis 1,8 Sekunden. Der Zielwert nach DIN 18041 für Büroräume: unter 0,6 Sekunden.
Ein einfaches Schallpegelmessgerät oder eine Smartphone-App wie „dB Meter Pro" reicht für eine Ersteinschätzung. Für eine professionelle Nachhallzeitmessung erstellen spezialisierte Akustiker ein vollständiges Raumgutachten.
Ohne Messung schätzen Sie nur. Mit Messung wissen Sie genau, wo die Probleme liegen.
2. Deckenabsorber nachrüsten
Die Decke ist die größte reflektierende Fläche im Raum. Gleichzeitig wird sie am häufigsten vernachlässigt. Akustikdecken mit einem Absorptionsgrad von mindestens 0,85 (Klasse A) reduzieren die Nachhallzeit um 30 bis 50 %.
Nachrüstbare Deckensegel sind eine wirksame und planbare Investition. Für ein typisches Open Office bewegt sich der Aufwand im mittleren bis höheren Bereich. Im Vergleich: Eine einzige Kündigung wegen Unzufriedenheit verursacht regelmäßig vergleichbare oder höhere Kosten — die Akustikinvestition zahlt sich in der Regel innerhalb des ersten Jahres aus.
3. Teppich statt Hartboden
Schallharte Böden sind Akustik-Feinde. Trittschall, rollende Bürostühle, fallengelassene Gegenstände; all das wird auf Laminat oder Fliesen verstärkt und reflektiert.
Ein textiler Bodenbelag absorbiert Frequenzen ab 500 Hz deutlich besser. Teppichfliesen haben den Vorteil, dass beschädigte Stellen einzeln ausgetauscht werden können — eine wartungsfreundliche Lösung mit moderater Investition.
Wer keinen Teppich möchte: Bereits Stuhlrollen-Pads und Schreibtischunterlagen bringen eine spürbare Verbesserung.
4. Akustik-Trennwände zwischen Arbeitsplätzen
Offene Sichtachsen sind schön. Aber sie leiten Schall direkt von Schreibtisch zu Schreibtisch. Schallabsorbierende Stellwände mit einer Höhe von 120 bis 160 cm unterbrechen den direkten Schallweg und reduzieren den wahrgenommenen Lärmpegel um 5 bis 8 dB.
Wichtig: Die Trennwand muss absorbierend sein, nicht nur reflektierend. Eine Glastrennwand sieht elegant aus, verbessert die Akustik aber nicht. Achten Sie auf Materialien mit einem NRC-Wert (Noise Reduction Coefficient) von mindestens 0,65.
5. Zonen klar definieren
Das lauteste Problem im Open Office: Alles passiert überall. Telefonate neben Stillarbeit, Brainstormings neben Kundengesprächen.
Definieren Sie akustische Zonen, um die Raumakustik zu verbessern:
- Ruhezone (unter 45 dB): Konzentrierte Einzelarbeit, kein Sprechen
- Kollaborationszone (55 bis 65 dB): Teamarbeit, kurze Absprachen
- Kommunikationszone (65 bis 75 dB): Telefonate, Videokonferenzen, Meetings
Diese Zonen brauchen räumliche Trennung. Mindestens 5 Meter Abstand zwischen Ruhe- und Kommunikationszone. Besser: Physische Barrieren wie Regale, Pflanzen oder Trennwände dazwischen.
Ein häufiges Problem in Großraumbüros ist, dass diese Zonierung fehlt und der Schall sich ungehindert im Raum ausbreitet.
6. Schallabsorbierende Materialien gezielt einsetzen
Jede harte Fläche reflektiert Schall. Jede weiche Fläche absorbiert ihn. Die Rechnung ist simpel: Je mehr absorbierende Flächen, desto leiser der Raum.
Neben Decke und Boden helfen:
- Wandpaneele aus Akustikschaum oder Filz (NRC 0,70 bis 0,95)
- Vorhänge vor Glasfronten (schwerer Stoff, mindestens 300 g/m²)
- Polstermöbel in Aufenthaltsbereichen statt Hartschalenhocker
- Bücherregale als natürliche Diffusoren an den Wänden
- Pflanzen in größeren Gruppen (ab 10 Pflanzen pro 50 m² messbar)
Die Kombination mehrerer Maßnahmen wirkt besser als eine einzelne teure Lösung.
7. Akustikkabinen als Rückzugsort aufstellen
Alle bisherigen Tipps verbessern die Grundakustik des Raums. Aber manchmal braucht es mehr: Einen Ort, der wirklich still ist. Für Telefonate, für Videokonferenzen, für konzentriertes Arbeiten.
Eine schallisolierte Kabine reduziert den Lärmpegel um 30 bis 38 dB. Sie braucht keine Baugenehmigung, keine Umbauarbeiten, keine Elektrikertermine. Montage ab 2 Stunden, Stromanschluss genügt.
Das Ergebnis: Mitarbeitende haben jederzeit Zugang zu einem ruhigen Ort. Ohne Raumsuche, ohne Buchungssystem, ohne Wartezeit. Silentbox® berät zu Größen und Aufstellungsorten.
Was bringt am meisten?
Nicht jede Maßnahme hat den gleichen Effekt. Hier eine realistische Einordnung nach Kosten-Nutzen-Verhältnis:
| Maßnahme | Kosten (200 m² Büro) | dB-Reduktion | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Nachhallzeit messen | gering | – | 1 Tag |
| Deckenabsorber | hoch | 4 bis 8 dB | 2 bis 5 Tage |
| Teppichboden | mittel | 2 bis 4 dB | 1 bis 2 Tage |
| Trennwände | mittel | 5 bis 8 dB | 1 Tag |
| Zonierung | nur Planungsaufwand | 3 bis 6 dB | Sofort |
| Materialien | gering bis mittel | 2 bis 5 dB | 1 bis 3 Tage |
| Akustikkabine | mittel bis gehoben | 30 bis 38 dB | 2 Stunden |
Die Akustikkabine liefert die höchste Schallreduktion pro investiertem Aufwand. Die Zonierung verursacht nur Planungsaufwand und bringt sofort Ergebnisse. Die beste Strategie kombiniert drei bis vier Maßnahmen.
Nächster Schritt
Sie wissen jetzt, welche Hebel es gibt. Der nächste Schritt: Messen, priorisieren, umsetzen. Wenn Sie wissen möchten, welche Lösung am besten zu Ihrem Büro passt, nehmen Sie Kontakt auf. Die Beratung ist kostenlos und unverbindlich.
